Unihockey statt Fussball? Hauptsache Fairplay!

Ich durfte mit dabei sein, als Unihockey in Patos lanciert wurde – was für eine wunderbare Erfahrung! Ich wusste, dass wir 14 Stöcke, einige Bälle, 2 Tore mit Schutzausrüstung haben würden, und Daniel, ein Schweizer mit Leidenschaft für Unihockey, der die Sportart unseren Kids näherbringen wollte. Die Menge an Kindern und Jugendlichen, Mädchen und Jungen, die sich auf der Liste eingetragen haben gaben mir Grund genug für eine schlaflose Nacht. Ich dachte zurück an die Zeiten vor mehr als fünf Jahren, als ich das erste Mal als Zivildienstleistender in Brasilien war und mit pädagogischen Interventionen etwas zu einem friedlicheren Klima innerhalb der Wände unseres Tageszentrums beitragen wollte. Gab es eine neue Sportart, zum Beispiel Baseball zu erproben, war das Chaos vorprogrammiert. Jeder wollte der Erste sein, aber kaum jemand hörte richtig zu, um zu verstehen, wie das Spiel funktioniert. Schweizer Jugend im Quadrat, dachte ich damals. Wenn dann gespielt wurde, ging es mit rauhen Sitten zu und her. Doch nicht zuletzt das alltägliche Fussballspiel unserer Kinder unter Aufsicht Erwachsener, die sie liebevoll und immer wieder auf die Fairplayregeln aufmerksam machten, half ihnen mit den Jahren, wirklich eine bessere Spielkultur und einen respektvolleren Umgang, auch ausserhalb des Spielfelds, zu entwickeln. Und es war schön zu sehen, dass nicht nur Fussball, sondern Unihockey spielen –  nach einer kurzen Einführung nottabene – wunderbar funktioniert. Zu meinem Erstaunen besassen auch die Jüngeren nach kurzer Zeit schon eine so gute Stockfertigkeit, dass wirklich ein spannender, vor allem aber fairer Match möglich war. Vor dem Ball sind alle gleich – diese Haltung ist Teil unserer Erfolgsgeschichte. Und dass Kinder, auch wenn sie aus ärmsten Verhältnissen kommen und ihr Verhalten nur erahnen lässt, wie vernachlässigt sie manchmal werden, friedlich zusammen spielen können ist der Verdienst der langjährigen Arbeit von Operation Rescue Brasilien und zeigt mir, dass die Bemühungen wirklich Spuren hinterlassen!

Christian Baumann